Dienstag, 8. Juli 2008

Schwuchtelverkleidung

Vor einigen Jahren, ich war 20
Faschingsfeier mit der Dorf-Gang. Fasching zieht sich ja bekanntlich über mehrere Monate - nur es war eben kein Rosenmontag oder etwa der 11.11. Es war zu einem Zeitpunkt an dem normale Menschen hier bei uns im Norden niemals auf dieses Wort kommen würden.
Es soll natürlich etwas Ausgefallenes sein. Kurzum entschließe ich mich als Putzfrau zu gehen. Ich finde die alte 70er Schütze meiner Mutter (sehr knapp und eng), darunter Stumpfhosen gegen die Kälte (mein Gott, hat mich das Anziehen dieser Dinger Überwindung gekostet), ein rotes, buntes Kopftuch, male mir meine schmalen Lippen dick und rot an, schnappe mir Eimer und Schrubber und verlasse im Dunkeln das Haus. Auf der Party angekommen erkennt mich meine Dorf-Gang kaum. Einige springen bei meinem Anblick gleich von der Bank: "Hey, ne neue Mietze!". Die Lacher hatte ich jedenfalls auf meiner Seite. Der Abend wird immer später, ich löte mich mit dem Gastgeber so richtig zu, die Anderen torkeln nach Hause. Morgens um 3 kommt er auf die grandiose Idee noch ins Ambergau (bei Bockenem) zu fahren. Dort angekommen ernten wir ungläubige Blicke: Ne kesse Putzfrau und nen Motorradrocker mit aufgemalten Stoppeln und angeklebtem Bart.
Erinnerung: es war sonst niemand verkleidet!
Schon macht der Laden dicht und wir lassen uns per Taxi weiter zu Dimmis in Seesen kutschieren.
"Was will denn die Schwuchtel hier?", tönt Dimmi. Als ich ihn einen Türken nenne verliert er fast die Fassung. Stolz wie Oscar demonstriert er im sonst leeren Lokal sein klassisch-griechisches Profil. Was jetzt kommt ist filmreif.
Dimmi will gerade abschließen, da fliegt die Tür auf. Die örtliche Rocker-Gang samt Anhang platzt morgens um 4 ins Bistro. Dimmi denkt nicht mehr an die Sperrstunde… Gut 30 Leute strömen hinein, ich mach mich an der Bar ganz klein: "scheiße, keine Chance, jetzt gibt es auf die Fresse." Mein Freund zieht sich langsam sein Rocker-Ledermütze vom Kopf und presst sie zwischen Beine und Theke. Mit der anderen Hand verdeckt er den angeklebten Schnurrbart. Ich ziehe mir inzwischen das Kleid aus und sitze in BH, Strumpf- und Unterhose auf dem Barhocker. Die Unterhose zum Glück über der Strumpfhose. Den BH friemele ich irgendwie ab. Schließlich kommen ein paar Mädels der Rocker zu uns herüber. So etwas hatten die noch nicht gesehen. Ruhig und gelassen, oben ohne, in Strumpf- und Unterhosen erkläre ich alles mit lallender Stimme. Sie kommen zum Schluss das wir keine Perversen sind und kehren irgendwann zu ihren Männern zurück. Ich tat dann so als würde ich auf der Bar einschlafen und schließe die Augen bis das Taxi kommt. Das Aufstehen war noch recht peinlich. Am Taxi wollte mich der Fahrer nicht mitnehmen. "Was? Meinetwegen könnte er hier mit nacktem Arsch rumstehen, mir doch egal. Aber der sieht so aus als würde er mir gleich die Karre vollkotzen." Nach einiger Überredungskunst waren wir dann zu Hause.

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